Ältere Patienten binden – Fokus Praxisteam

Nächste Woche ist ja bekanntlich – und wie in jedem Jahr – der „Tag der Zahngesundheit“. Der Aktionstag am 25. September steht in jedem Jahr unter einem bestimmten Motto – 2012 heißt es: „Gesund beginnt im Mund – mehr Genuss mit 65 plus!“ 

Genuss mit 65plus

Genuss mit 65plus

Im Mittelpunkt steht also die Zahngesundheit älterer und alter Menschen. Ein Thema, das wir in der goDentis und in unseren Partnerpraxen schon lange intensiv begleiten. Hier ein Link zu einer Broschüre mit Informationen rund um das Thema: Sie pflegen! – Tipps und Informationen zur Zahngesundheit im Alter!

 

Passend dazu habe ich aktuell den folgenden Text in der ZWP – ZahnarztWirtschaftPraxis veröffentlicht.

„Patientenbindung bei älteren Patienten“

Immer mehr ältere Menschen besitzen auch im Alter immer mehr eigene Zähne. Prognosen zufolge ist in 20 Jahren jeder dritte Patient älter als 65 Jahre. Menschen, die durchaus aktiv sind und die sich ein hohes Maß an Lebensqualität bewahren möchten – gesunde, funktionsfähige Zähne spielen hier eine entscheidende Rolle. Für die Zahnarztpraxis ergeben sich daraus neue Chancen der Patientenbindung und die entsprechenden Herausforderungen für das Praxisteam. Wer seine Patienten auch im fortgeschrittenen Alter nicht verlieren möchte, der muss diese Beziehung rechtzeitig pflegen und festigen.

Neben den rein fachlich orientierten Qualitäts- und Servicemerkmalen, die zur langfristigen Patientenbindung führen, müssen Zahnarztpraxen ihren Patienten auch auf der emotionalen Seite das gute Gefühl geben, im Alter der richtige Partner für die Zahngesundheit zu sein – und das gilt für die Menschen, die älter werden und in besonderem Maße für die, die alt sind. Eine Aufgabe, die sich in erster Linie an das zahnärztliche Assistenz-Personal richtet. Es sind insbesondere die Mitarbeiterinnen am Empfang und in der Prophylaxe, die im täglichen Umgang mit den Patienten die zentralen Praxisbotschaften vermitteln können.

Für den Praxisinhaber gilt es, die Bedürfnisse und Erwartungen älterer Patienten zu berücksichtigen: bei der Auswahl der Praxisschwerpunkte, bei der Zusammenstellung des Teams und bei der Gestaltung der Praxisräume – und bei der eigenen beruflichen Qualifikation.

Schwerpunkt Prävention

Vielen älteren Patienten ist die Mundhygiene als vorbeugendes Gesundheitskonzept Maßnahme unbekannt. “Nach dem Essen, Zähne putzen nicht vergessen” – dieser Slogan bedeutete über Jahrzehnte die Umsetzung häuslicher Zahnpflege. Der Zahnarzt wurde aufgesucht, um akute Schmerzen zu beseitigen, zerstörte Zähne zu reparieren, oder die Stempelfelder im Bonusheft zu komplettieren.

Wem es gelingt, den Präventionsgedanken schon früh in den Köpfen seiner Patienten zu verankern, der schafft die notwendigen Voraussetzungen für die regelmäßige Prophylaxe bei einem Großteil der Patienten. Mit einer risikoorientierten Individualprophylaxe bietet die Praxis ihren Patienten – schon in jungen Jahren – das Basiskonzept für Gesundheit und Lebensqualität. Für die Praxis verringert sich damit der Aufwand, auch ältere Menschen an die Prophylaxe zu binden. Neben allen gesundheitlichen Vorteilen für die Patienten, auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Praxis. Und eins sollten wir dabei nicht vergessen: Ältere Patienten sind heute deutlich aufgeklärter als früher und erwarten seitens der Praxis die entsprechenden Informationen und Angebote.

Neben Befundung, Dokumentation und zahnmedizinischen Maßnahmen, wie der PZR,  spielt die Kommunikation mit den Patienten in der Prophylaxe eine entscheidende Rolle. Und hier geht es nicht nur um die Erläuterung der Behandlung in der Praxis und die Schulung von Mundhygienemaßnahmen zuhause. Die leicht verständliche Aufklärung über Risiken und Auswirkungen chronischer Erkrankungen im Mundraum auf die allgemeine Gesundheit sollte hier einen zentralen Punkt einnehmen. Wie viele Patienten – ob jung, oder alt – wissen schon, dass die Entfernung bakterieller Zahnbeläge massive positive Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit haben kann und die Risiken für Diabetes, Herzinfarkt oder rheumatische Arthritis senken kann? Mit der Weitergabe dieses Wissens etabliert sich die Zahnarztpraxis als ein kompetenter Gesundheitspartner, dessen  Blick über den Tellerrand der eigenen dentalen Profession hinausgeht.

Je früher Patienten mit dieser Thematik konfrontiert werden, je selbstverständlicher werden sie auch im Alter den Wunsch haben, Krankheiten durch geeignete präventive Maßnahmen zu vermeiden.

Bindungsfaktor Praxisteam: Sozial kompetent und gut geschult

Für die Mitarbeiterinnen in einer Zahnarztpraxis steigen somit die Anforderungen an Kommunikationsfähigkeit, Qualifikation, Weiterbildung. Eine Praxis, in der sich auch die älteren und alten Patienten gut aufgehoben fühlen, benötigt Mitarbeiter, die sich in die Gedankenwelten älterer Menschen hineinversetzen können. Mitarbeiter, die Verständnis für die Bedürfnisse einer Generation aufbringen müssen, zu der sie selber in den meisten Fällen noch lange nicht gehören. Bei der Auswahl des Praxisteams gilt es, diese Aspekte vorrangig zu berücksichtigen. Der Umgang mit alten und sehr alten Menschen verlangt ein hohes Maß an sozialer Kompetenz:  Aufmerksamkeit, Geduld, die Fähigkeit zuzuhören – notwendige Attribute um eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich auch der älter werdende Patient gut aufgehoben fühlt. Nur wenn diese Patienten ernst genommen werden nicht das Gefühl haben lästig zu sein, ist die Motivation groß genug, Empfehlungen zur Prophylaxe und zur allgemeinen Mundhygiene anzunehmen und umzusetzen.

Neben den individuellen persönlichen Fähigkeiten in einem Praxisteam, sollte das Thema Aus- und Fortbildung eine wichtige Rolle spielen. Die Behandlung und Beratung älterer Patienten erfordert ein hohes Maß an zusätzlichem Fachwissen. Nicht nur die altersbedingten Veränderungen von Zahnfleisch, Zähnen und Zahnhalteapparat sollten bekannt sein. Multimorbidität und die dadurch indizierte Einnahme von Medikamenten führen zu einer Veränderung der Behandlungsmöglichkeiten in der Zahnarztpraxis – ob in der Prophylaxe oder beim Zahnersatz. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schlaganfall, Krebs, Osteoporose, Parkinson, um nur einige zu nennen, sind Krankheiten, die den Mitarbeiterinnen täglich in der Praxis begegnen können und deren Auswirkungen bekannt sein sollten.

Ein Schwerpunkt in der Weiterbildung des Praxisteams sollten immer die interdisziplinären Zusammenhänge zwischen der Mundgesundheit und der allgemeinen Gesundheit sein.

Das Wissen um die Risiken und die Auswirkungen einer chronischen, bakteriellen Entzündung im Mundraum bezogen auf schwerwiegende Erkrankungen wie Diabetes, Herzinfark, Schlaganfall oder rheumatologische Arthritis gehört heute zum Pflichprogramm in der Zahnarztpraxis. Die Kooperation mit den behandelnden Fachärzten, wie Diabetologen, Kardiologen und den Hausärzten ist ein wesentlicher Teil für eine erfolgreiche Behandlung der Patienten in der Zahnarztpraxis.

Aber nicht nur für das eigene Personal sollte es ein umfangreiches Schulungsangebot geben. Auch die Patienten, die im fortgeschrittenen Alter Motorik, Koordinationsfähigkeit und Taktilität einbüßen sind dankbar, wenn die individuell passenden Maßnahmen und Hilfsmittel seitens der Praxismitarbeiterinnen kompetent vermittelt werden können.

 Altersgerechte Praxisgestaltung

Letztendlich sind eine altersgerechte Praxisgestaltung und –ausstattung wesentliche Elemente, damit Patienten sich wohlfühlen, wiederkommen und die Praxis weiter empfehlen. Grundvoraussetzung ist die Barrierefreiheit für Menschen mit Rollstühlen und Gehilfen – und das nicht nur im Wartezimmer, sondern auch in den Behandlungseinheiten.

Altersgerechte und bequeme Sitzgelegenheiten, eine gute Beleuchtung, Lesebrillen im Wartezimmer und am Empfang schaffen eine Atmosphäre, in der ältere Menschen gut aufgehoben und willkommen fühlen. Auch die entsprechenden Informationen in Form von Flyern und Broschüren sollten so gestaltet sein, dass sie von älteren Menschen leicht gelesen werden können – mit großen Buchstaben und einer verständlichen Sprache.

 

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