Praxismarketing: Mit welchen Titeln oder Bezeichnungen Zahnärzte für sich oder ihre Praxis werben dürfen

wbs logoStolpersteine beim Praxismarketing: Wie Zahnärzte rechtliche Fallstricke bei der Eigenvermarktung vermeiden!
Serie zu praxisrelevanten Fragestellungen rund um das Thema rechtssicheres Praxismarketing von RAin Agnieszka Slusarczyk, LL.M. (Medizinrecht) – exklusiv erschienen auf DZW – Die ZahnarztWoche!

Neben der Möglichkeit die eigene Person oder die Praxis durch Zeitungsanzeigen, Broschüren
oder Flyer zu bewerben, können Zahnärzten ebenso mit einem zusätzlichen Titel oder einer
besonderen Bezeichnung auf sich aufmerksam machen.

Wie bei den übrigen Medizinern, haben auch Zahnärzte diverse Möglichkeiten sich
auf bestimmte Gebiete zu spezialisieren. Oft finden sich daher in der Werbung und auf
Praxisschildern Bezeichnungen, die auf eine solche Spezialisierung hindeuten sollen.
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, das eigene Fachwissen durch Titel, Fachqualifikationen
sowie Zusatzbezeichnung hervorzuheben und diese nach außen hin zu präsentieren.
Allerdings ist dabei Vorsicht geboten. Anstatt die eigene Kompetenz durch Titel zu stärken,
ist oft eine Verwirrung der Patienten wahrscheinlicher. Diese wissen nicht, was beispielsweise
ein „Paradontalchirurg“ oder „Implantologe“ ist. Daher gilt auch bei Werbung mit Titeln und
Bezeichnungen das Irreführungsverbot.

Für den Patienten muss aus der Bezeichnung stets eindeutig hervorgehen, ob es sich um
eine nach der Weiterbildungsordnung erworbene Fachzahnarzt-Bezeichnung handelt,
oder lediglich um einen Tätigkeitsschwerpunkt. Dies hat das Bundesverfassungsgericht
bestätigt (Beschluss vom 01.06.2011, Az.: 1 BvR 233/10, 1 BvR 235/10).
Sowohl bei der Implantologie, als auch bei der Paradontologie handelt es sich um
gebräuchliche Bezeichnungen für bestimmte Tätigkeitsbereiche von Zahnärzten. Die
Formulierung „Zahnarzt für Implantologie“ suggeriert jedoch eine Nähe und Vergleichbarkeit
mit einer Fachzahnarztbezeichnung und ist deswegen irreführend. Bei einem verständigen
Patienten liegt nämlich die Erwartung nahe, dass ein ausdrücklich hervorgehobener
Tätigkeitsbereich bzw. eine entsprechende Spezialisierung mit der besonderen Kompetenz
eines Fachzahnarztes verbunden ist. Denn dieser weiß in der Regel kaum, für welche
Bereiche die Landeszahnärztekammer Gebietsbezeichnungen für Fachzahnärzte
vorgesehen hat. Daher ist die Angabe von Tätigkeitsschwerpunkten im Einklang mit der
Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen nur zulässig, solange
keine Verwechslungsgefahr mit „echten“ Facharzttiteln besteht (Beschluss vom 02.01.2009,
Az.: 13 A 3618/06). Insofern sollte man nicht jede Spezialisierung in einen Fachtitel packen.

Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen befand zudem, dass sich als
“Kinderzahnarzt” nur derjenige Zahnarzt bezeichnen darf, der in seiner Person die
Voraussetzungen für die Angabe eines Tätigkeitsschwerpunkts „Kinderzahnheilkunde”
erfüllt (Urteil vom 25.05.2012, Az.: 13 A 1384/10). Gleiches gilt für die Benennung
der Zahnarztpraxis. Wird diese allgemein als “Kinderzahnarztpraxis” bezeichnet,
ohne dass sämtliche der dort tätigen Zahnärzte die Voraussetzungen für die Angabe
eines Tätigkeitsschwerpunkts „Kinderzahnheilkunde” erfüllen, liegt nach Ansicht des
Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen ebenfalls eine berufswidrige Werbung vor.
Dementsprechend sollte eine Praxis nur dann als Fachpraxis betitelt werden, wenn auch
tatsächlich entsprechende Facharzttitel vorgewiesen werden können.

In diesem Zusammenhang ist ferner zu beachten, dass im Ausland erworbene Titel keinen
in Deutschland anerkannten Facharzttitel ersetzen. Gleichwohl bleibt es dem Zahnarzt im
Einzelfall unbenommen, seinen rechtmäßig erlangten Titel im Berufsleben zu benutzen.
So entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf, dass die Bezeichnung „Master of Science
Kieferorthopädie“ von den angesprochenen Verkehrskreisen zwar irrtümlich für eine in der
Weiterbildungsordnung vorgesehene Gebietsbezeichnung gehalten werden könnte (Urteil
vom 23.09.2008, Az.: I-20 U 144/07). Indes seien diese Auswirkungen im Einzelfall durchaus
hinzunehmen.

Auch ist im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts die
Verwendung der Bezeichnung „Zahnärztehaus“ für eine zahnärztliche Gemeinschaftspraxis
dem Grunde nach nicht zu beanstanden, sofern in dieser Praxis mehr als ein Zahnarzt
tätig ist (Beschluss vom 14.07.2011, Az.: 1 BvR 407/11). Anders liegt es hingegen, wenn
man eine Zahnarztpraxis als „Zahnklinik“ benennen möchte. Denn nach allgemeinem
Verkehrsverständnis wird der Begriff der Klinik als Synonym für Krankenhaus verwendet,
verbunden mit der Vorstellung einer stationären Unterbringung für Heilung und Pflege.
Soweit daher eine stationäre Aufnahme in der Zahnarztpraxis tatsächlich nicht stattfindet,
kann diese nach Ansicht des Oberlandesgerichts Düsseldorf auch nicht als Zahnklinik
bezeichnet werden (Urteil vom 09.09.2008, Az.: I 20 U 168/07).

Als Fazit lässt sich festhalten: Bei der Werbung mit Titeln und Bezeichnungen sollte man sich
stets in die Lage des Patienten versetzen. Sofern der Titel oder Name einen falschen Eindruck
von einer tatsächlich (nicht) vorliegenden Qualifikation erwecken könnte, sollte die Angabe
unterlassen werden.

A. SlusarczykDie Autorin und regelmäßige Kolumnistin der DZW, Agnieszka Slusarczyk, ist seit 2010 in der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE in Köln (www.wbs-law.de) als Rechtsanwältin tätig. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt umfasst unter anderem das Heilmittelwerberecht sowie das Ärztliche Berufsrecht. RAin Slusarczyk hat an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf den LL.M.-Studiengang „Medizinrecht“ absolviert.

Kontakt zur Autorin 

Agnieszka Slusarczyk, LL.M. (Medizinrecht)
Rechtsanwältin

WILDE BEUGER SOLMECKE
Rechtsanwälte
Kaiser-Wilhelm-Ring 27-29
50672 Köln

Tel. +49 (0) 221 951563-58
Fax +49 (0) 221 951563-3
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