Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2015“: Oh Schreck – die Visitenkarte ist zurück?

Auch in diesem Jahr ist die Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2015: Die eHealth-Studie“ erschienen. Hierzu befragte die Stiftung Gesundheit Insgesamt 13.937 niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten. Und immerhin haben 489 Mediziner (also 3,51 Prozent der Befragten) die Studienunterlagen auch wieder zurückgeschickt. Wir möchten uns hier nicht mit den gesamten Inhalten und Zahlen der Studie befassen – uns geht es mehr um die Interpretation des Zahlenwerkes, bezogen auf das Thema Zahnarztmarketing.

smiling male dentist pointing finger up

Spezielle Zahnarztzahlen fehlen

Vor allem finden wir es spannend, die Ergebnisse der Studie einmal mit der gelebten Realität in der Zahnarztpraxis zu vergleichen. Hier können wir natürlich nur die Erfahrungen mit unseren Partnern zur Beurteilung heranziehen. Leider bietet die Studie keine getrennte Betrachtung der unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen (das wurde uns seitens der Stiftung Gesundheit so bestätigt). Auch ist nicht bekannt, wieviele Zahnmediziner zu den 489 Teilnehmern der Studie gehören. So gesehen gibt uns die Studie keine wirklichen Erkenntnisse, wie es denn aktuell und in Zukunft mit dem Marketing in den Zahnarztpraxen aussieht.

Diagramm_Marketingmaßnahmen_ZA_2015_pm-02

Unter dem Titel „Ärzte setzen beim Praxis-Marketing wieder stärker auf persönliche Faktoren“ fasst  das Deutsche Ärzteblatt auf seinem Online-Portal die Ergebnisse der Studie wie folgt zusammen:

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Weit ab von der Zahnarztrealität?

Ein weiteres Ergebnis der Studie: „Im Jahr 2015 gaben nur noch 14,6 Prozent der befragten Ärzte an, ein definiertes Marketing-Budget für ihre Praxis festgelegt zu haben. Damit hat sich der Anteil der Ärzte mit ausgewiesenem Marketingbudget gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel verringert (2014: 19,1 Prozent). Diese Entwicklung korrespondiert mit dem starken Rückgang der Befürworter und der deutlichen Zunahme der Gegner des Praxis-Marketings in 2014.“

Bezogen auf die dentale Marketingwelt können wir diese Trends aufgrund eigener Erfahrungen allerdings nicht bestätigen – und das ist auch gut so (für die Praxen und für ihre Partneragenturen).

Wir stellen fest, dass immer mehr Praxen …

  • … konkrete Budgets für Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen bereit stellen.
  • … ihre Onlineaktivitäten und die Qualität ihrer Internetpräsenzen deutlich optimieren.
  • … zielgerichtete Maßnahmen (online / offline) zur Patientenkommunikation zunehmend umsetzen.

Wir können aufgrund der Studienergebnisse keine konkreten Entwicklungen für den Bereich der Zahnarztpraxen ableiten und bewerten, aber vielleicht haben die Zahlen ja damit zu tun, dass …

  • … der Marketingbegriff nicht genau genug definiert wird und viele Ärzte darunter einfach nur die „klassische Werbung“ verstehen
  • … Marketinginstrumente und -konzepte in den letzten Jahren optimiert und professionell umgesetzt wurden und der Bedarf ein wenig gesunken ist
  • … es medizinische Fachbereiche gibt, in denen Marketingmaßnahmen weder notwendig, noch sinnvoll sind

Marketingziele und die Visitenkarte

Wenn wir über den Einsatz geeigneter Marketinginstrumente und Kommunikationstools reden, müssen wir immer einen Blick auf die Ziele der Praxen werfen. Schließlich sollten Praxisziele und Kommunikationsziele ja möglichst aufeinander abgestimmt sein.

Die Studienteilnehmer gaben folgende Ziele für ihre Marketingmaßnahmen an:

Diagramm_Marketingmaßnahmen_ZA_2015_pm-01

Also jetzt mal im Ernst! Wenn mein wichtigstes Marketingziel lautet: „Patienten über mein Leistungsspektrum zu informieren“ – welche Rolle spielt dann die Visitenkarte?

Gut – auf der Rückseite könnte stehen: „Wir bieten das gesamte Spektrum der modernen Zahnheilkunde“, oder auch eine etwas speziellere Darstellung der Praxisschwerpunkte. Aber Patienteninformation sieht anders aus und erfolgt heute und in Zukunft über eine zielgerichtete Informationsstrategie. Und dafür brauchen wir mindestens …

  • … das Internet
  • … die lokalen und regionalen Medien
  • … praxiseigene Informationsmedien
  • … eine geschultes und kompetentes Team
  • … ein ausgewiesenes Budget

Apropos Visitenkarte: Das Thema hatten wir hier im Blog schon einmal!

VENE, VIDI, VISITENKARTE – strategischer Superstar der Zahnarztwerbung!

Dieses ganze Gerede rund um Werbung, Marketing und strategische Positionierung einer Zahnarztpraxis mit den Werkzeugen moderner Kommunikation – das ist doch alles Unfug. Was die moderne Zahnarztpraxis braucht, ist eine Visitenkarte. Ein schlichtes Rechteck mit Zahlen und Buchstaben, die dem Patienten schon den richtigen Weg weisen werden: Name, Adresse, Telefonnummer und Fax – basta!

Praxisteam, Service und Behandlungsqualität – die Basis des Erfolgs

Die Besinnung auf die persönlichen Faktoren in der Praxis – auf ein geschultes Team, einen hohen Patientenservice und auf eine optimale Behandlungsqualität – sollte in jedem Fall höchste Priorität haben. Denn wenn es hier nicht stimmt, dann verpuffen auch die besten Marketingmaßnahmen!

Und übrigens: Wir haben natürlich nichts gegen die Visitenkarten einer Praxis, aber sind sie nicht eher Teil der Geschäftsausstattung und weniger eine konkrete Marketingmaßnahme? Das mag jeder sehen, wie er möchte – ohne dass jede Meinung sofort in richtig/falsch und schwarz/weiß eingeteilt wird!

3 Kommentare zu "Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2015“: Oh Schreck – die Visitenkarte ist zurück?"

  1. „Und übrigens: Wir habe natürlich nichts gegen die Visitenkarten einer Praxis, aber sind sie nicht eher Teil der Geschäftsausstattung und weniger eine konkrete Marketingmaßnahme?“

    Treffer und versenkt! 😉

  2. Simon P. sagt:
    Vielen Dank für diesen informativen Artikel. Bei dem Thema Ärzte und Marketing ist natürlich einiges auch subjektiv. Auf der einen Seite sollten Ärzte nicht „werbendes“ Marketing betreiben, auf der anderen sollten die Patienten natürlich von einem nahe liegenden Arzt in Kenntnis gesetzt werden. Und letzteres passiert nun einmal über Marketing oder Werbung.
    1. Klaus Schenkmann sagt:
      Hallo Simon, danke für den Kommentar und alles Gute für das neue Jahr! Genau das ist ja ein häufiges Dilemma. Auf der einen Seite soll Zurückhaltung geübt werden, auf der anderen Seite müssen sich Praxen dem Wettbewerb stellen. Ich denke, dass es hier immer einen guten Weg geben kann und muss: Seriös informieren und gleichzeitig am Markt positionieren. LG Klaus

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