Zahnarztangst: Könnte es auch an der Wortwahl mancher Mediziner liegen?

„Zunächst durchtrennt der Zahnarzt das Zahnfleisch und die Knochenhaut … mit speziellen Knochenfräsen  … erfolgt die Abtragung des Knochens im Bereich der Wurzelspitze!“

Na wer das liest, der hat doch so richtig Lust auf eine schöne Wurzelspitzenresektion – oder nicht? Wer seinen Patienten so die zahnärztlichen Leistungen verkauft, der darf sich nicht wundern, dass der eine oder andere die Zahnarztpraxis nur unter starken Beruhigungsmitteln – oder gar nicht betritt.

Also liebe Zahnärzte: Informiert so, dass Patienten Eure Behandlungen wollen und sich nicht vor Angst in die Hosen machen!

frau auf dem behandlungsstuhl - angst in der zahnarztpraxis

Die Wurzelspitzenresektion: Von den meisten Patienten gefürchtet

„Wie stark fürchten Sie sich vor den folgenden zahnärztlichen Behandlungen?“ Unter diesem Titel veröffentlichte statista eine aktuelle Umfrage unter 1003 Deutschen! Das ist toll und die Statistik wurde in den sozialen Netzwerken auch mehrfach geteilt. Stellt sich nur eine Frage: „Was bringt das Ergebnis jetzt für die Zahnarztpraxis?“

Wir haben uns dazu ein paar spontane Gedanken gemacht: Vielleicht hat es ja mit der Art und Weise zu tun, wie Behandlungen von Zahnarztpraxen oder Institutionen dargestellt werden.

umfrage statistic Wie stark fürchten Sie sich vor den folgenden zahnärztlichen Behandlungen? grafik mit prozentzahlen

Bleiben wir bei der Wurzelspitzenresektion. Wenn ein Patient das Wort im Internet sucht, landet er sehr schnell auf der Seite der KZBV, der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Und dort liest der bis dato vielleicht noch interessierte Patient, dass ihm der Zahnarzt mit einer Fräse den Knochen abträgt – und noch ein paar andere Nettigkeiten.

Die Operation erfolgt unter örtlicher Betäubung. Zunächst durchtrennt der Zahnarzt das Zahnfleisch und die Knochenhaut. Dann schiebt er das bedeckende Weichgewebe soweit vom Knochen, bis der Knochen frei zugänglich ist. Mit speziellen Knochenfräsen und unter sorgfältiger Kühlung erfolgt nun die Abtragung des Knochens im Bereich der Wurzelspitze, bis diese und das entzündlich veränderte Gewebe gut zu sehen sind. Mit einer Fräse kürzt der Zahnarzt die Wurzelspitze um zwei bis drei Millimeter, um die feinen, verästelten Ausläufer des Wurzelkanales im Bereich der Wurzelspitze möglichst vollständig zu entfernen. Unter bestimmten Bedingungen ist eine stärkere Kürzung notwendig (zum Beispiel starke Wurzelkrümmungen, abgebrochene Instrumente).

Jetzt einmal im Ernst – was soll das?

So kann ich Patienten nicht informieren, wenn ich sie von einer modernen Behandlung in der Zahnarztpraxis überzeugen möchte. Und das gilt natürlich vor allem für die Internetseiten der Zahnarztpraxen. Niemand möchte wissen, wie man ihm vier Schrauben in den Kieferknochen bohrt. Es interessiert ausschließlich das Ergebnis und der Nutzen von Implantaten für den Alltag, die Gesundheit und die Lebensqualität des Patienten.

Ja, auch wir haben schon Texte geschrieben (schreiben müssen), die eher nicht zur Frohlockung des Lesers beigetragen haben – wenn der Zahnarzt (Kunde) auf eine detaillierte Beschreibung seiner Kunst besteht (aber eigentlich machen wir das nicht).

Lasst uns gemeinsam die Patienten mit nützlichen Inhalten und Botschaften überzeugen!


Aktueller Nachtrag von heute (19. Juni 2017)

In der DZW – die Zahnarztwoche ist heute ein Artikel erschienen mit dem Titel: „Nutzerfreundliche und relevante Gesundheitsinformationen – KZBV legt Gesamtstrategie Mundgesundheitskompetenz vor – Beteiligung an der „Allianz für Gesundheitskompetenz“

Hier einige relevante Auszüge (zur freien Interpretation):

  • Aktuelle Erkenntnisse zur Gesundheitskompetenz zeigen, dass mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland Schwierigkeiten hat, gesundheitsrelevante Informationen zu verstehen, zu verarbeiten und anzuwenden.
  • Mit dem Strategiepapier Mundgesundheitskompetenz verfolgt die KZBV unter anderem das Ziel, relevante Informationen für Patienten zielgruppenorientiert und nutzerfreundlich zur Verfügung zu stellen.
  • Zu den Inhalten der Gesamtstrategie gehören unter anderem die Förderung des konkreten Kommunikations-, Informations- und Beratungsgeschehens in den Praxen, Überlegungen zur Stärkung der Mundgesundheitskompetenz in Planung und Evaluation der Versorgung, die Beteiligung von Patienten an der Gestaltung und Umsetzung von Gesundheitsinformationen, das Bereitstellen von Hilfsangeboten für bestimmte Zielgruppen, wie zum Beispiel Pflegebedürftige, sowie der leichte Zugang zu Gesundheitsleistungen und -informationen.

Quelle: Die Facebookseite der DZW!

Informationen zur Gesundheit sind nicht für alle verständlich. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland hat laut…

Posted by DZW – Die ZahnarztWoche on Montag, 19. Juni 2017

2 Kommentare zu "Zahnarztangst: Könnte es auch an der Wortwahl mancher Mediziner liegen?"

  1. Dr. Huber sagt:

    Angsteinflößende Wörter wie Knochenfräsen, Druchtrennen des Zahnfleisches, der Knochenhaut… müssen nicht zwingend bei der Aufklärung eines operativen Eingriffes verwendet werden; wir sind dennoch der Meinung, dass der chirurgische Eingriff sehr wohl klar und vor allem verständlich erklärt und erläutert werden sollte- der Patient soll stets wissen, was auf ihn zukommt, damit er nicht währenddessen mit unangenehmen Geräuschen und beängstigenden Druck überrascht wird…

    1. klausschenkmann sagt:

      Lieber Herr Dr. Huber, da haben Sie absolut recht. Beste Grüße, Klaus Schenkmann

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