Produktnennung auf der Website: Lyck & Pätzold informieren zu Praxismarketing und Medizinrecht

Informierst Du noch oder wirbst Du schon auf deiner Praxis-Website? Bist Du sicher, ob Du Hersteller und Produkte nennen darfst? Immer wieder werden auch wir damit konfrontiert, wenn wir Internetseiten für Zahnärzte gestalten. Die zentrale Frage: Wie hoch ist das Bedürfnis nach Informationen zu bewerten, wenn Marken und Produkte genannt werden? Wir haben die Profis der Kanzlei Lyck & Pätzold um ihre Meinung gebeten. Das sagen die Medizinanwälte!

Inhaltsverzeichnis

Gerade keine Zeit den kompletten Text zu lesen? Dann findet Ihr hier die Links zu den einzelnen Themen im Artikel:



Das Wichtigste in Kürze

  • Zahnärzten ist berufsbezogene und sachangemessene Werbung erlaubt.
  • Die reine Benennung bestimmter Produkt- und Verfahrensnamen auf der Praxishomepage wird von Kritikern allerdings als unzulässig erachtet, weil damit der „böse Schein“ besteht, dass gewerbliche Interessen im Vordergrund stehen.
  • Dieser Annahme steht allerdings das zunehmende Bedürfnis der Patienten nach Information und Transparenz entgegen, dem genauso Rechnung getragen werden muss.
  • Ob die Angaben einer Praxishomepage den heutigen rechtlichen Anforderungen gerecht werden, ist am Ende immer eine Frage des Einzelfalls.
  • Um etwaige Risiken richtig einzuschätzen und rechtliche Auseinandersetzungen von Anfang an zu vermeiden, sollten sich Praxisinhaber daher schon bei der Homepage-Gestaltung umfassend rechtlich beraten lassen. Lyck & Pätzold / Die Medizinanwälte  

Herstellerangaben auf der Praxishomepage – geht das?

Zahnärzten ist berufsbezogene und sachangemessene Werbung erlaubt.

Unzulässig ist dagegen die zahnärztliche Berufsbezeichnung für gewerbliche Zwecke zu verwenden oder die Verwendung für gewerbliche Zwecke zu gestatten. Gemeint sind vor allem die Fälle, in denen Zahnärzte innerhalb der Praxis noch ein Bleachingstudio oder einen Prophylaxeshop betreiben. Hierbei handelt es sich um eine gewerbliche Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht.  Zur Wahrung der Integrität des Zahnarztberufes ist eine Vermengung von zahnärztlicher und gewerblicher Tätigkeit nicht gestattet.

Wie ist es mit Informationen über bestimmte Behandlungsprodukte – oder Verfahren auf der Praxishomepage? 

  • Dürfen Zahnärzte auf ihrer Homepage z. B. angeben, dass sie für die Zahnaufhellung Philipps Zoom verwenden,
  • Zahnkorrekturen mit Invisalign vornehmen
  • und für Keramikrestaurationen mit Cerec arbeiten


Es gibt Stimmen, die solche Angaben für unzulässig halten. Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 01.06.2011 (1 BvR 233/10).


In diesem konkreten Fall ging es um die Internetwerbung einer zahnärztlichen Praxis, die u. a. das von ihr verwendete DVT-Gerät mit Bild und Herstellerangabe vorstellte. Das Bundesverfassungsgericht betonte zwar, dass berufsbezogene und sachangemessene Werbung von Zahnärzten erlaubt ist. Dazu gehört auch das Recht, auf die technische Ausstattung und Einrichtung der Praxis hinzuweisen.

Die Benennung des Herstellernamens wurde allerdings als unzulässige Fremdwerbung angesehen.


Mit Angabe des Herstellernamens wird der Anschein erweckt, dass hier Werbung für den Hersteller gemacht werde und die Gesundheitsinteressen der Patienten dagegen nur zweitrangig seien. Für diese Annahme, die Zweifel an der Integrität des Zahnarztberufes wecken würden, genügt bereits der „böse Schein“, dass gewerbliche Interessen bei der Benennung des Herstellers im Vordergrund stehen.


Diese Einzelfallentscheidung sollte allerdings nicht ohne Weiteres auf alle Fälle übertragen werden, in denen Zahnärzte über ihre Behandlungsmethode auch unter Angabe der von ihnen verwendeten Produkte und Verfahrensweisen sachangemessen informieren.

Gerade, wenn es sich um bestimmte Produkte handelt, die naturgemäß an den Patienten weitergegeben werden, wie z. B. eine unsichtbare Zahnspange von Invisalign, ist zu berücksichtigen, dass diese auch 1 : 1 abgerechnet werden. Würde man hier einen „bösen Schein“ andichten, würde man gleichzeitig einen Abrechnungsbetrug und Verstoß gegen das Antikorruptionsgesetz unterstellen.

Patienten suchen relevante Informationen

Desweiteren ist zu berücksichtigen, dass es für Patienten eine überaus wichtige Rolle spielt, zu wissen, welche Produkte oder Systeme von welchen Herstellern bei ihrer Behandlung verwendet werden. So ist für Patienten z. B. auch von Bedeutung, ob ein anzuwendendes Produkt z. B. aus Asien, Europa oder der Schweiz stammt. Dieses sog. sachliche Informationsbedürfnis der Patienten muss im Rahmen der rechtlichen Bewertung Berücksichtigung finden. Auch muss berücksichtigt werden, dass Patienten im Internet gezielt nach den Begrifflichkeiten suchen, die sie kennen.

Für die unsichtbare Zahnkorrektur wird Invisalign den Patienten eher ein Begriff sein, als der Aligner, weil es zum Synonym für die unsichtbare Zahnbegradigung geworden ist, genauso wie Labello für den Lippenpflegestift und Tempo oder Kleenex für das Taschentuch. Gerade im Gesundheitsbereich erschließt es sich nicht, warum den Patienten die für sie relevanten Informationen vorenthalten werden sollten. In allen anderen Lebensbereichen sind Produktvergleiche vor einer Kaufentscheidung durch Internetrecherchen allgemein üblich.

Warum sollte es bei Medizinprodukten daher gänzlich anders sein? Es ist weder zeitgemäß, noch liegt es im Interesse der Patienten, wenn sie stets darauf verwiesen wären, erst einmal unterschiedliche Praxen aufsuchen zu müssen, um gewünschte Informationen zu Medizinprodukten zu erhalten.


Lyck+Pätzold. healthcare.recht

Nehringstraße 2
61352 Bad Homburg
Tel.: 06172-139960
Fax: 06172-139966
www.medizinanwaelte.de
kanzlei@medizinanwaelte.de


Das sagen wir aus Sicht des Marketings für Zahnärzte

Wir wägen mit unseren Partnern gut ab, ob es nötig ist Marken und Produkte zu nennen. Es gibt dafür aus unserer Sicht nur einen Grund: Die Information ist für die Patientinnen und Patienten relevant und wichtig. Das ist bei der Frage nach der regionalen Herkunft von Bedeutung oder bei der Verwendung spezieller Materialien. DIe Internet-User sind es heute gewohnt, Behauptungen und Informationen nachzufragen und selbst zu recherchieren. Der Link zu bestimmten Produkten und Herstellern ist hier sicher eine Möglichkeit.

Wir halten diese Informationen auf den Internetseiten unserer Zahnarztpraxen in engen Grenzen. Der Informationsgehalt muss hoch und gut sein – ansonsten hat die Dentalindustrie auf der Zahnarzt-Webseite nichts zu suchen. Es interessiert beispielsweise keinen Patienten, ob der Implantologe von der Firma ABC beliefert wird. Er vertraut dem Experten, der das geeignete System für sich und seine Behandlung kennt.

Und im Zweifelsfall fragen wir nicht den Zahnarzt und schon gar nicht den Apotheker – dann wenden wir uns an Medizinanwälte, die sich jeden Tag mit diesen Themen befassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie die markierten Felder aus.

Immer wissen, was läuft!

Der parsmedia-Newsletter informiert regelmäßig zu aktuellen Themen des Praxismarketings, der Medien und der Patienten-Kommunikation.

parsmedia aktuell
28.03.2020 09:00 Podcast > Steuerberatung Vesting & Partner

ARTIKEL: Was jeder zur Entschädigung für Verdienstausfall bei Quarantäne wissen sollte, Voraussetzungen, Antrag, Berechnung und Fristen mit Rechtsanwalt Leibecke

Zitat: „Herzlich willkommen im Podcast von Vesting & Partner. Schön, dass Sie heute wieder reinhören. Ich bin Steuerberaterin Sabine Banse-Funke und ich freue mich heute meinen Kollegen aus unserem Büro Herrn Rechtsanwalt Ralph Leibecke begrüßen zu können. Er bearbeitet in unserem Büro alle rechtlichen Fragestellungen. Heute besprechen wir das Thema Entschädigung für Verdienstausfall nach dem Infektionsschutzgesetz, wenn eine Quarantäne wegen Corona angeordnet wurde. Der Rechtsstand der Information, die wir hier geben, ist vom 18.03.2020. Änderungen zeitlich nach dem 18.03.2020 können daher nicht berücksichtigt sein.“


25.03.2020 13:24 Die Medizinanwälte Lyck+Pätzold. healthcare.recht

ARTIKEL: Geht’s noch? Abwegige Ideen zur Bewältigung der Corona-Krise

Zitat: „In der aktuellen Corona-Krise erlebt man schon kuriose Dinge. Da gerieren sich plötzlich Steuerberater als Rechtsberater und gestalten Arbeitsverträge. Hinz und Kunz ist plötzlich Experte zum Arbeitsrecht und weiß genau, wie es geht, mit dem Kurzarbeitergeld. Manche Ratschläge, die dann auf unserem Tisch landen, stoßen einem allerdings schon arg sauer auf. Beispielsweise die Empfehlung eines Anwaltskollegen an eine kleinere Zahnarztpraxis jetzt möglichst schnell alle Mitarbeiterinnen zu kündigen. „Am besten so schnell wie möglich…“, war der dazugegebene Ratschlag.“


22.03.2020 19:47 bloggerabc

ARTIKEL: Freelancer und Selbständige in Krisenzeiten von Corona. Was ihr tun könnt!

Zitat: „Wir können die Situation, wie sie ist, nicht viel ändern. Der Virus bleibt erst einmal. Aber! Wir können schauen, was jeder Einzelne JETZT tun kann, um den eigenen Lebensunterhalt zu sichern bzw. sich besser aufzustellen. Aus diesem Grund sammle ich in diesem Beitrag verschiedene Artikel mit praktischen Tipps sowie Jobangebote aus dem Bereichen Online- und Content-Marketing, die ich in meinem Netzwerke sehe und veröffentlichen darf. Diese Auflistung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ich ergänze sie gerne jederzeit, wenn ihr mir weitere Tipps und Hinweise schickt.“


21.03.2020 18:38 Handelsblatt

ARTIKEL: Auch Selbstständige sollen in der Coronakrise Hilfen bekommen. Mit bis zu 15.000 Euro will der Bund die Unternehmer unterstützen.

Zitat: „Kleine Unternehmen und Selbständige sollen infolge der Coronakrise Soforthilfen in Höhe von bis zu 15.000 Euro erhalten. Dabei handele es sich um Finanzhilfen, nicht um Kredite. Dies geht aus einem Gesetzesentwurf „Corona-Soforthilfen für kleine Unternehmen und Selbständige hervor“, der dem Handelsblatt vorliegt und der am Montag vom Bundeskabinett beschlossen werden soll.“


21.03.2020 14:37 Die Medizinanwälte Lyck+Pätzold. healthcare.recht

ARTIKEL: Die zahnärztliche Versorgung – von der Politik übersehen in der Corona-Krise!

Zitat: „In der Corona-Krise sitzen die Zahnärzte aktuell allerdings zwischen allen Stühlen: Sie sind auf der einen Seite Hochrisikogruppe hinsichtlich der Infektion und Verteilung von Coronaviren. Noch deutlich mehr als viele Humanmediziner. Durch die Arbeit am Mund-Rachenraum, durch die zahlreichen schleifenden Instrumente und die dabei freigesetzten Aerosole bestehen hohe Infektionsrisiken. Die Versorgung mit Schutzkleidung und Masken ist nur ungenügend. Auch das Desinfektionsmittel wird in vielen Praxen knapp. Andererseits besteht zumindest für die Vertragszahnärzte ein Sicherstellungsauftrag. Das bedeutet, dass sie Sprechstunden zu den üblichen Öffnungszeiten anbieten müssen.“


20.03.2020 17:28 Der parsmedia Newsticker

Aktuelle Informationen sind in Krisenzeiten gefragt wie nie. Aus diesem Grund haben wir für uns und für unsere Partner einen kleinen Newsticker entwickelt. Hier haben wir die Möglichkeit, Besuchern der Internetseite aktuelle Informationen und Hinweise zu geben – und hoffentlich irgendwann wieder spannende Marketingnews, ohne Krisen und Corona! BLEIBT GESUND #DASWIRZÄHLT


Newsticker Schliessen