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Hey Boss, ich brauch mehr Geld: Gehaltsgespräche in der Zahnarztpraxis
Wer die Frage nach mehr Gehalt nicht ernst nimmt, riskiert, dass eine andere Praxis sie beantwortet.
Mehr Gehalt im Praxisteam: Gut vorbereitet statt aus dem Bauch entscheiden
Fragt jemand aus deinem Team nach mehr Gehalt, musst du nicht sofort antworten. Verschaff dir Luft, aber vertröste nicht. Mach gleich einen festen Termin aus, zum Beispiel in zwei Wochen oder nach der nächsten Quartalsabrechnung. Dann hast du aktuelle Zahlen und gibst deiner Mitarbeiterin eine klare Perspektive. Hinter der Frage können mehrere Dinge stecken: der Wunsch nach Anerkennung für die eigene Verantwortung, der Wert der eigenen Arbeit für die Praxis und ganz nüchtern die gestiegenen Kosten des normalen Lebens.
Ob mehr Geld drin ist, entscheidest du nicht aus dem Bauch. Du brauchst deine betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) und ein Controlling, das nach vorn rechnet. Hol dir dafür Unterstützung durch Steuerberater oder Praxisberater, gern die Unaufgeregten. Ela sieht in den Praxen, die sie betreut, eine Verbindung: Wer seine Preise zaghaft setzt, zahlt oft unterdurchschnittliche Gehälter. Dein unternehmerisches Risiko kannst du aber nicht auf die Gehälter umlegen. Und rechne deinem Team nicht vor, wie hart dich Punktwerte, Kürzungen und der Honorarverteilungsmaßstab (HVM) treffen. Mit diesen Bedingungen klarzukommen, ist deine Aufgabe als Unternehmer.
Im Gespräch selbst zählt der Mensch vor dir. Will deine Mitarbeiterin eine Eigentumswohnung finanzieren, steht für sie möglicherweise ein höheres Monatsbrutto im Vordergrund. Ela spricht darüber, wie eine passende Zielvereinbarung aussehen kann, von der beide Seiten profitieren. Beim zuverlässigen Kollegen, der einfach sein Ding macht, hält sie einen regelmäßigen Inflationsausgleich für fair. Frag dich vorher immer: Was kostet es mich, wenn er für 200 Euro mehr zur nächsten Praxis wechselt?
Außerdem geht es um mögliche Gehaltsextras: betriebliche Altersversorgung und zusätzliche Krankenversicherung, Jobrad, Firmenwagen, Zuschuss zum Mittagessen, eine Benefit-Karte oder die Übernahme von Kita-Kosten. Welche Leistungen passen und wie sie steuerlich behandelt werden, sollte individuell geprüft werden. Und weil im Team ohnehin über Gehalt gesprochen wird, braucht deine Praxis eine klare Struktur.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Zeit verschaffen, aber nicht vertrösten: Du musst nicht sofort Ja oder Nein sagen. Vereinbare aber gleich einen festen Termin, damit sich deine Mitarbeiterin ernst genommen fühlt.
- Das Brutto allein erzählt nicht die ganze Geschichte: In der Folge wird anhand eines Beispiels mit 3.500 Euro brutto deutlich, wie knapp der finanzielle Spielraum nach laufenden Ausgaben sein kann. Entscheidend sind die tatsächlichen Lebenshaltungskosten und die individuelle Situation.
- Zaghafte Preise können die Gehälter drücken: Ela beobachtet einen Zusammenhang zwischen zurückhaltender Preisgestaltung und unterdurchschnittlicher Bezahlung. Die wirtschaftliche Planung der Praxis und eine angemessene Vergütung gehören für sie zusammen.
- Lieber selten, dafür spürbar: Ela hält kleine Erhöhungen von 150 oder 200 Euro alle ein bis zwei Jahre für den falschen Weg. Ihr Vorschlag: eine Prämie in einem richtig guten Jahr und alle vier bis fünf Jahre ein spürbarer Gehaltssprung.
- Der Mensch bestimmt die Lösung: Wer eine Wohnung finanzieren will, hat andere Prioritäten als jemand, der vor allem seine laufenden Kosten decken möchte. Ob höheres Grundgehalt, Zielvereinbarung, Inflationsausgleich oder Zusatzleistung: Die Lösung sollte zur Person und zur Praxis passen.
Links zur Episode
- Gehalts-Datei von dentastico – der Download-Link wird noch ergänzt.
- SpenditCard: Sachbezugskarte als Gehaltsextra
Recherchelinks zur Episode
- Randstad Employer Brand Research: Warum Beschäftigte kündigen
- ZFA mal anders: Informationen zu ZFA-Gehalt, Mindestlohn und Tarif
- Lyck+Pätzold healthcare.recht: Was die neue Entgelttransparenz-Richtlinie für Zahnarztpraxen und MVZ bedeutet
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